Unterliegen Sie 7 oder 19 Prozent der Umsatzsteuer?

Unterliegen Sie 7 oder 19 Prozent der Umsatzsteuer?

Gastartikel von Jakob Linnemann

Viele Webdesigner, Grafiker, Texter oder Programmierer haben immer wieder Schwierigkeiten, sich bei den Umsatzsteuersätzen einzuordnen. Welche Umsatzsteuersatz gilt denn jetzt für sie, 7 oder 19 Prozent? Das werde ich in diesem Beitrag näher erläutern.

In der Regel beträgt die Umsatzsteuer 19 Prozent auf den steuerpflichtigen Umsatz. In dem § 12 Abs. 1 UStG (Umsatzsteuergesetz) wird das geregelt. Der Absatz 2 beschreibt die vielen Ausnahmen, d. h. man kann dann mit dem ermäßigten Steuersatz von 7 % die Umsätze versteuern. Die Aufzählung in dem zweiten Absatz ist nachvollziehbar und muss ich nicht kommentieren. Doch Schwierigkeiten gibt es immer wieder bei Dienstleistungen.

Dienstleistungen sind umsatzsteuerrechtlich schwer zu bewerten.

Klar sind die Dienstleistungen im § 12 Abs. 2 UStG aufgeführten Dienstleistungen.

Doch wie ist das mit den Selbständigen aus der Informations- und Kommunikationsbranche (z. B. Redakteur, Texter, Programmierer, Grafiker, Webdesigner, etc.)? Müssen sie ihre Umsätze mit dem Regelsteuersatz von 19 Prozent versteuern? Oder können sie ihre Umsätze mit dem ermäßigten Steuersatz von 7 Prozent versteuern? Bei diesen Fragen sind sich alle Beteiligten unsicher, wie das zu bewerten ist. Hier setze ich an und gehe tiefer ins Detail.

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Urheberrecht ist das Kriterium

In dem § 12 Abs. 2 Nr. 7 c UStG steht:

Abs. 2: „Die Steuer ermäßigt sich auf sieben Prozent für die folgenden Umsätze:“

Nr. 7 c: „die Einräumung, Übertragung und Wahrnehmung von Rechten, die sich aus dem Urheberrechtsgesetz ergeben“

Das bedeutet, dass der kreative Unternehmer den ermäßigten Steuersatz in Höhe von 7 % Umsatzsteuer als Steuersatz verwenden kann, wenn er das Ergebnis seiner Arbeit urheberrechtlich schützen gelassen hat.

Auf die Veröffentlichungsart kommt es nicht an. Egal, ob ein urheberrechtlich geschütztes Bild, Grafik oder Text in Printmedien (Zeitung, Zeitschrift, Anzeigenblatt, Broschüre etc.) oder auf einer Webseite erscheint, kann – muss aber nicht – der kreative Unternehmer (Redakteur, Texter, Programmierer, Grafiker, Webdesigner, etc.) seine Dienstleistung mit 7 % Umsatzsteuer versteuern.

Das Urheberrecht definiert Wikipedia wie folgt: „Das Urheberrecht bezeichnet zunächst das subjektive und absolute Recht auf Schutz geistigen Eigentums in ideeller und materieller Hinsicht.“

Wikipedia spricht auch von Individualität: „Diese Individualität bezieht sich nicht auf die Person, der das Werk zuzurechnen ist, sondern ob die Schöpfung individuelle Züge trägt.“ Siehe dazu den Wikipedia-Artikel „Schöpfungshöhe“!

Umsatzsteuer-Anwendungserlass gibt Klarheit

Wenn Sie Klarheit haben wollen, ob Sie Ihre Dienstleistung mit dem ermäßigten Steuersatz (7 %  vom Nettoumsatz) in Rechnung stellen dürfen, dann sollten Sie sich den Umsatzsteuer-Anwendungserlass ansehen. Dort stehen auf den Seiten 369 bis 374 unter der Textziffer 12.7 die Anwendungsvorschriften „Einräumung, Übertragung und Wahrnehmung urheberrechtlicher Schutzrechte“ Klicken Sie hier und um die pdf-Datei zu downloaden.

Nach diesen Vorschriften (Textziffer 12.7 Abs. 3) sind nicht nur die Vermarktung von

  • Sprachwerke, wie Schriftwerke, Reden und Computerprogramme“ begünstigt, sondern auch
  • Werke der Musik
  • pantomimische Werke einschließlich der Werke der Tanzkunst;
  • Werke der bildenden Künste einschließlich der Werke der Baukunst und der angewandten Kunst und Entwürfe solcher Werke
  • Lichtbildwerke einschließlich der Werke, die ähnlich wie Lichtbildwerke geschaffen werden
  • Filmwerke einschließlich der Werke, die ähnlich wie Filmwerke geschaffen werden;
  • Darstellungen wissenschaftlicher oder technischer Art, wie Zeichnungen, Pläne, Karten, Skizzen, Tabellen und plastische Darstellungen

Hinweis zu den Dienstleistungen der Programmierern

Die Computerprogramme unterliegen dem Urheberschutz. Jedoch wird hier unterschieden, wie die Rechte genutzt werden.

Ermäßigter Steuersatz von 7 %

Wenn der Urheber seine Rechte einem Dritten zur weiteren Verwertung überlässt, kann der Unternehmer den ermäßigten Steuersatz von 7 % auf seinen Nettoumsatz aufschlagen.

Regelsteuersatz von 19 %

Überlässt der Urheber einem Dritten das Nutzungsrecht, dann muss der Regelsteuersatz von 19 % in Rechnung gestellt werden. Ein Nutzungsrecht eines Computerprogramms besteht dann, wenn der Abnehmer das Programm auf seinem Computer installiert hat und damit arbeitet.

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Fragen Sie Ihren Steuerberater oder dem Finanzamt!

Dieses Thema ist sehr umfangreich und ich habe längst nicht alle Alternativen angesprochen. Da es hier besonders schwer ist, den passenden Steuersatz zu finden, sollten Sie Ihren Steuerberater oder Finanzamt fragen.

Beispiel 1
Eine Druckerei erstellt ein Logo für ein Unternehmen und druckt die Visitenkarten. In diesem Beispiel sind beide Steuersätze enthalten, wenn man es richtig deklariert.

Die Logo-Erstellung unterliegt dem ermäßigten Steuersatz von 7 Prozent, das Drucken der Visitenkarten muss mit 19 % Umsatzsteuer versteuert werden.

Beispiel 2
Bei der Erstellung einer Webseite können auch verschiedene Steuersätze angesetzt werden. Die selbst erstellten Grafiken, Bilder oder Texte sind mit 7 % Umsatzsteuer anzusetzen und die Verwaltungsarbeiten und evtl. Programmierarbeiten unterliegen 19 % der Umsatzsteuer. Hier ist muss geklärt werden, welche Tätigkeiten die Hauptleistung und welche die Nebenleistungen darstellen. Für einen Laien also eine schwierige Aufgabe.

Damit Sie genau wissen, welchen Steuersatz Sie nehmen können bzw. müssen, sollten Sie aus Sicherheitsgründen für Ihr Projekt die richtigen Steuersätze von Ihrem Steuerberater recherchieren lassen!

Meine Empfehlung ist, bei Geschäftskunden immer 19 Prozent nehmen!

Sollte sich bei einer späteren Betriebsprüfung herausstellen, dass Sie einen falschen Steuersatz in Rechnung gestellt haben, müssen Sie nachträglich die Differenz von 7 zu 19 Prozent an das Finanzamt zahlen. Außerdem kann das Finanzamt evtl. auch die Vorsteuer zurückverlangen, die Sie bei Ihrer Umsatzsteuer-Zahllast angerechnet haben. Das kann teuer werden und Ihre Liquidität gefährden.

Die Umsatzsteuer zahlt immer der Endverbraucher. Für einen Unternehmer ist die Umsatzsteuer ein Durchlaufposten. Darum empfehle, bei Geschäftskunden immer 19 Prozent zu nehmen. So gehen Sie auf Nummer sicher und laufen keine Gefahr, hohe Umsatzsteuernachzahlungen zahlen zu müssen.

Quelle: akademie.de, Autor: Robert Chromow

Mit besten Grüßen

Jakob Linnemann
www.buchhaltung-outsourcen.de

Bild Jakob Linnemann

Jakob Linnemann

Jakob Linnemann ist seit 1989 selbständig tätig als Unternehmensberater und selbständiger Buchhalter. Anfangs in Rechtsform eines Einzelunternehmers, jetzt in Rechtsform einer GmbH. Er ist geschäftsführender Gesellschafter bei der LiFoS GmbH. Er hat Betriebswirtschaft mit dem Schwerpunkt Rechnungswesen und Steuern studiert. Seit 1999 ist Jakob Linnemann auch in der Erwachsenen-Bildung bei verschiedenen Bildungsinstituten und bei der IHK als freiberuflicher Dozent für Rechnungswesen und Steuern tätig.

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